Saisonkennzeichen Ja / Nein / Vielleicht?

Wenn dieser Beitrag erscheint, wird der 1. November sein. Einige werden ihr geliebtes Motorrad dann schon für den Winter bereit gemacht haben. Schön sauber, alle relevanten Teile nochmal geschmiert, den Luftdruck nen Schnuff erhöht, einen dicken, saftigen Kuss auf den Tank gedrückt und mit einem sanft gehauchten „schlaf gut, meine Schönheit“ in den Winterschlaf verabschiedet. Aber bevor wir in die Erotik abdriften, hier die Fakten!

Wer sich ein Motorrad zulegt, wird sich irgendwann fragen, ob denn ein Saisonkennzeichen Sinn macht. Gängige Zeiträume wären da z. B. März bis Oktober oder April bis Oktober. Eben die Monate, in denen damit zu rechnen ist, dass das Wetter nicht allzu übel ist. Die ganzen harten Hunde, die ihr Motorrad laut eigener Aussage am aller liebsten im Tiefschnee und Schneematsch bewegen, stellen sich diese Frage natürlich nicht. Die unterhalten sich bei -8°C am Bikertreff dann lieber über die richtigen Winterreifen.

Für alle anderen ist es aber ein abwägen und eventuell hilft der Beitrag hier ja bei der Entscheidung.

Ersparnis bei Steuer und Versicherung

Wenn man sein Motorrad Teilkasko versichert, mit einer Fahrleistung von ca. 15.000 km pro Jahr und ohne Schutzbrief, spart man sich, wenn man sein Motorrad nur von März bis inklusive Oktober zulässt, ca. 100 € pro Jahr* bei der Versicherung.

Oben drauf kommt dann nochmal die Steuer, was zum Beispiel bei einer XSR900 (Bj. <2021) 21 € ausmacht (62 € Ganzjahres / 41 € Saison März – Oktober). Das sind, je nach politischem Weltgeschehen, durchaus ein paar Tankfüllungen.

Versicherer Ganzjahres Saison März – Oktober
AXA342 €*228 €*
Condor320 €*213 €*
DEVK333 €*234 €*
HDI323 €*232 €*

*ermittelt über Check24 (Referenz: XSR900, kein Fahrerkreis, Einzelgarage, keine Rabatte) Stand 24.10.2022. Versicherer wurden zufällig ausgewählt, keine Werbung oder sonstiges.

Man kann also durchaus den ein oder anderen Euro sparen mit einem Saisonkennzeichen

Witterung / Salz

Sind wir kurz ehrlich: die wenigsten werden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fahren. Von Schnee fangen wir gar nicht erst an. Aber nicht nur dann, wenn das Wetter akut schlecht ist, sehen viele (inklusive mir) vom Motorrad fahren ab. Je nach Region wird auch mit dem Streusalz recht spendabel umgegangen. Und was Salz mit Alu und Stahl so anstellt, ist nicht zu unterschätzen. Das sieht dann ziemlich schnell sehr scheiße aus.

Allerdings gibt es auch Tage zwischen Oktober und März, die wirklich herrlich sind zum Fahren. Und der Klimawandel arbeitet da ja für uns bzw. wir für ihn! 2021 war meine letzte Fahrt des Jahres tatsächlich am 31.12, bei herrlichen 14 °C und bis jetzt (01.11.2022) schaut es auch nicht so übel aus mit der Wetterprognose.

So kann es im November durchaus noch aussehen. Herrliches Wetter, herrliche Farben

Dabei muss man aber bedenken, dass es im Winter recht früh dunkel wird und die Tage mit schönem Wetter halt auch günstig liegen müssen: an Tagen, an denen man Zeit zum Motorradfahren hat. Da wird die Luft dann schön dünn.

Wenn ich mal so überschlage, wie viele Kilometer ich persönlich in letzten Wintern jeweils gefahren bin, sind es in den 4 Monaten von November bis einschließlich Februar nicht viel mehr als 1.000 km gewesen. Wenn man bedenkt, dass es bei mir im Jahr eigentlich immer zwischen 12.000 km und 15.000 km sind, ist das nicht der Rede wert.

Nummernschildgröße

Die Zeiten, in denen man für Saisonkennzeichen automatisch größere Schilder brauchte, sind zum Glück vorbei. Das Format XXX-YY-12 + die Saisonkennung passt auf ein kleines (180 mm x200 mm) Schild. Möchte man dagegen XXX-YY-123 haben, wird es zwangsläufig eine Nummer größer (aka. „Kuchenblech“), unabhängig vom Saisonkennzeichen.

Parken auf öffentlichem Grund

Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen dürfen im abgemeldeten Zeitraum nicht auf öffentlichem Grund geparkt werden, da sie in dieser Zeit auch keinen Versicherungsschutz haben. Wer also sein Motorrad nicht in einer Garage/Privatgrund etc. sondern z. B. auf der Straße parkt, muss sich für den Winter einen geeigneten Ort dafür suchen. In der Regel wird es dann auf eine angemietete Garage hinauslaufen, womit das Sparpotential durch Versicherung/Steuer dann wohl nicht mehr gegeben sein wird.

Auch öffentliche Tiefgaragen, in denen die STVZO gilt, sind mit Saisonkennzeichen tabu

Werkstatttermine etc.

Einige nutzen die Wintermonate, um Wartung und Umbauten an ihrem Motorrad zu erledigen bzw. erledigen zu lassen. Ein Saisonkennzeichen verkompliziert das alles. Die Fahrt zur Werkstatt muss dann mit einem Hänger erfolgen und wer selbst schraubt, muss auf die so wichtigen Testfahrten verzichten. Alles keine unüberwindbaren Hindernisse, allerdings mit Saisonkennzeichen etwas „sperriger“ als mit einem Ganzjahreskennzeichen.

Schrauben: Ja. Probefahrt: Nein

Das Ego

Ja, auch dieser Punkt muss berücksichtigt werden. Mit einem Saisonkennzeichen wird man recht flott als „Schönwetterfahrer“ abgestempelt. Bruchstrichfahrer, Rabattmarkenfahrer, Weicheikennzeichen, das alles sind eher unschöne Bezeichnungen für Fahrer mit Saisonkennzeichen. Offen ins Gesicht sagt einem das natürlich keiner, außer vielleicht als Neckerei im Freundeskreis. Das muss das eigene Ego also aushalten.

Dass diese generelle Abwertung von Saisonkennzeichen Fahrern und Fahrerinnen natürlich Blödsinn ist, sollte jedem klar sein. Zum einen gibt es genug „Ganzjahresfahrer“, die ihr Schmuckstück nur bei Temperaturen zwischen 20 °C und 24 °C aus der Garage holen, zum anderen gibt es auch „Bruchstrichfahrer„, die bei Wind und Wetter fahren.


Fazit

Wer ein rationaler Typ ist, es nüchtern rechnet und eine kostenlose Möglichkeit hat, sein Motorrad unterzustellen, der wird zum Saisonkennzeichen greifen. Für Leute wie mich, die schlecht in Mathe und voller Hoffnung auf einen milden Winter sind, wird es wohl eher das Ganzjahreskennzeichen. Egal wie man es macht, der Löwenanteil der Kilometer wird so oder so in den Sommermonaten zusammen kommen.

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