Ylvie

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Es war keine Liebe auf den ersten Blick! Ich erinnere mich noch gut, als ich das erste mal eine YAMAHA XSR 900 auf Bildern sah. Irgendwie zu kurz, der Scheinwerfer zu klein und der Tank liegt unter zwei Fake Blenden? NIEMALS kommt mir so etwas in die Garage. NIE! Aber dann, langsam und schleichend, hab ich mich dabei erwischt, wie ich immer öfter in Richtung XSR 900 geschielt habe. Naja, kurz is sie ja eigentlich nicht, sieht kompakt aus! Sportlich! Und der Scheinwerfer… Steht ihr echt gut! Tankblenden? Ziemlich  Clever! 3 Zylinder mit 115 PS? Stabil! Und das alles in gewohnter, japanischer Qualität? Die Fachpresse ist auch begeistert? Ja da Brat mir einer nen Storch!

Auch was die Farbwahl anging… Schwierig. Von „wenn dann nur in der „60th Anniversary“ Lackierung über „nee, da haste dich ja schon jetzt satt gesehen“ zu „och ja, also Garage Metal is aber auch hübsch“, nur um am Ende zu dem Schluss zu kommen: das einzig wahre ist die 60th Anniversary Edition, schon allein deshalb weil Kenny Roberts so ein dufter Typ ist!

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Und so kam es wie es kommen musste: Ylvie (so heißt die Gute) kam zu Heidrun in die Garage. Zwei Naked Bikes, so ähnlich und doch so verschieden. 4 Zylinder, 600ccm und 78PS bei Heidrun, 3 Zylinder 847ccm und 115PS bei Ylvie.

Während Heidrun das Mädchen ist, mit dem man gemütlich in einer Bar ein paar Bier trinkt und am Ende vielleicht noch auf nen Kaffee mit rauf kommt, ist Ylvie das etwas verrückte Mädchen, dass man in einem schumrigen Club trifft und ehe man sich versieht zieht man sich gemeinsam Kokain von ner dreckigen Klobrille… Am nächsten Morgen wacht man dann auf, weiß nicht wo man ist, man hat Schmerzen (straffes Fahrwerk) die man nicht genau einordnen kann und hat das Gefühl in 8 Stunden mindestens 6 Wochen verloren zu haben. Neben einem liegt das Mädchen von gestern, die das alles sichtlich lockerer weg gesteckt hat als man selbst, und schaut einen etwas verrückt an.

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Wer weiß wo man gelandet wäre, wenn das Mädel nicht brav ihre offiziell verschriebenen Pillen (Traktionskontrolle, Fahrmodi, ABS) genommen hätte…

Klar kann man mit Ylvie auch nen gemütlichen Spaziergang unternehmen, aber man muss sie nicht 2x fragen, ob sie mit einem Poppers von der Türklinke einer Discotoilette lecken will…

 

Was generell für viele japanische Motorräder gilt, und auch die XSR ist dabei keine Ausnahme: man bekommt viel Motorrad fürs Geld! ABS, Regulierbare Traktionskontrolle, 3 Fahrmodi (die sich das Motorrad auch noch merkt!), eine klasse Optik (klar, Geschmackssache), Bremsen die beherzt zupacken, einen Motor der über jeden Zweifel erhaben ist und eine Verarbeitungsqualität, die manche Motorradfabrikanten für den doppelten Preis nicht hin bekommen. Dazu noch das gewohnte gute japanische Qualitätsverständnis, dass sich nicht nur bei dem 40tkm Wartungsintervall für das Ventilspiel widerspiegelt.

Manch einer mag sich jetzt vielleicht denken: Japaner! Seelenlose Motorräder, ohne Ecken und Kanten, ohne Charakter! Klar, kann man jetzt so stehen lassen… Oder man lässt sich einfach mal auf die Kleine ein und schaut wo die Reise hinführt. Aber passt auf, dass sie vor dem ersten Ritt auch brav ihre Pillen genommen hat!

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