Einige haben es geahnt und viele gehofft! Wer flott unterwegs ist, fährt sicherer! Das könnte so zumindest aus der Solomon Curve abgeleitet werden. Ob dem wirklich so ist, schauen wir uns jetzt mal an.

David Solomon untersuchte in den späten 1950er Jahren den Zusammenhang zwischen der gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeit und der Kollisionsrate von Fahrzeugen. Dafür analysierte er mehr als 10.000 dokumentierte Fahrzeugkollisionen. Aus diesen Untersuchungen entstand die sogenannte Solomon Curve, welche in der dazugehörigen Studie „Accidents on main rural highways related to speed, driver, and vehicle“ 1964 veröffentlicht wurde.
Schauen wir uns die Kurve erst einmal genauer an. Auf der Y-Achse haben wir die Kollisionsrate pro 100mio Fahrzeug Meilen. Auf der X-Achse die Abweichung von der Durchschnittsgeschwindigkeit. Was direkt ins Auge fällt: Wer deutlich langsamer unterwegs ist als der Durchschnitt, ist statistisch in mehr Fahrzeugkollisionen verwickelt als jemand, der sich schneller als der Durchschnitt bewegt.

Jetzt könnte angenommen werden, dass es am sichersten ist, wenn man genauso schnell fährt, wie der Durchschnitt. Untersuchen wir die Kurve aber genauer fällt auf, dass der Tiefpunkt an Kollisionen pro 100mio Fahrzeug Meilen leicht über der Durchschnittsgeschwindigkeit liegt.
Zusammengefasst könnte also festgehalten werden: Geschwindigkeit gibt Sicherheit!
Allerdings muss diese Kurven und die zugrundeliegenden Daten kritisch betrachtet werden. Zum einen ist die Studie relativ alt (mittlerweile über 65 Jahre) zum anderen stammt sie aus den USA und es wurden lediglich Highways betrachtet. Die Daten können also nicht 1:1 auf heutige, deutsche Straßenverhältnisse umgelegt werden.
Dazu kommt, dass eine höhere Geschwindigkeit als der Durchschnitt zu fahren, als eine Individual-Lösung betrachtet werden muss. Denn wenn jeder bestrebt ist, etwas schneller als der Durchschnitt zu fahren, erhöht sich die Durchschnittsgeschwindigkeit automatisch immer weiter.
Davon abgesehen sind Unfälle bei höheren Geschwindigkeiten in der Regel auch schadensreicher.

Persönliche Einschätzung
Wer sich viel im Straßenverkehr bewegt wird feststellen, dass Verkehrsteilnehmer, die sich deutlich schneller oder deutlich langsamer durch den Verkehrsfluss bewegen, kritische Situationen hervorrufen. Es wird zu riskanten Überholmanövern verleitet, Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt und die Zahl der Fahrzeugbegegnungen im Verkehrsfluss ist für wesentlich langsamere oder deutlich schnellere Verkehrsteilnehmer signifikant erhöht. Dadurch steigt natürlich auch das Risiko, in eine Fahrzeugkollision verwickelt zu werden. Bei deutlichen langsameren Verkehrsteilnehmern kommt nicht selten eine gute Portion Unsicherheit, Ängstlichkeit und Überforderung hinzu, was der Verkehrssicherheit ebenfalls nicht zuträglich ist.
Wer sich als Individuum aber leicht über der Durchschnittsgeschwindigkeit bewegt, nimmt das Heft selbst in die Hand. Überholvorgänge werden aktiv eingeleitet anstatt passiv hingenommen. Es wird bewusster gefahren und somit (in der Regel) auch vorausschauender und kontrollierter.
Natürlich reden wir hier nicht von kopflosen Rasern, immer auf der linken Spur mit Lichthupe, in der einen Hand das Smartphone und in der anderen Hand den Kaffeebecher. Dass dieses Verhalten sehr Riskant ist, steht außer Frage.
Es geht um einen aktiven, vorausschauenden Fahrstil, mit allen Sinnen bei der Sache. Nicht abgelenkt und nicht in Gedanken abschweifend. Im Hier und Jetzt unterwegs. In dieser Konstellation kann eine Geschwindigkeit, die leicht über dem durchschnitt liegt, meiner Meinung nach durchaus ein Sicherheitsgewinn sein.
