Vergleich: Metzeler Roadtec01 SE vs. Pirelli Angel GT2

Nach vielen Kilometern und einigen Sätzen Metzeler Roadtec01 + Roadtec01 SE bin ich letztes Jahr auf den Pirelli Angel GT2 umgestiegen. Warum? Nun, es hat sich mal wieder so gefügt, dass beide Reifen nahe dem Ende waren und da hat sich ein komplett wechsel angeboten. Die Testberichte des Angel GT2 waren vielversprechend, also rauf mit den Dingern.

Um die Spannung vorwegzunehmen: allzu viel nehmen sich die beiden Reifen nicht. Und das ist auch gut so, denn der Metzeler Roadtec01 + Roadtec SE sind schon sehr gute Reifen. Egal ob kalt, nass, warm oder trocken, der Reifen liefert. Und genau so verhält es sich mit dem Angelt GT2. Deshalb gehen wir hier auf ein paar kleine Detailunterschiede ein, die aber eventuell doch die ein oder andere Kaufentscheidung beeinflussen.

Optik

Die größten Unterschiede der beiden Reifen dürfte wohl optischer Natur sein. Wo der Roadtec01 eher etwas exotisch wirkt (vor allem an Vorderreifen), beschreitet der Angel GT2 eher klassische Pfade. Wenn es eine Kategorie „Sexappeal“ bei Reifen gäbe, würde wohl der GT2 den Punkt mit nach Hause nehmen.

Grip

Beide Reifen, auf öffentlichen Straßen, in allen Lebenslagen. Immer. Der Angel GT2 braucht gefühlt etwas länger, um warmzuwerden, aber alles in einem Bereich, der wahrscheinlich Labortests erfordern würde, um wirklich Unterschiede zu messen. Unbeabsichtigte Rutscher hat man nur, wenn der Asphalt wirklich schlecht ist oder Dreck auf der Straße liegt. Aber selbst hier: nach dem Rutschen fangen sich die Reifen direkt wieder.

Mit den Angel GT2 hatte ich mal in einer Kurve mit Schräglage um die 40° herum, ein kurzes Intermezzo mit einem Faustgroßen Stein. Geistig hatte ich mich schon auf einen Abflug eingestellt, aber selbst nach diesem kurzen „Sprung“ in der oben genannten Schräglage hat sich der Reifen sofort wieder gefangen und weiter ging die wilde Fahrt. Mit den Roadtec01 + SE hatte ich so eine Situation zwar nicht, bin mir aber recht sicher, dass diese sich ähnlich verhalten hatten. Zumindest bei den Fahrsicherheitstrainings, mit der berühmten Holzlatte auf der Kreisbahn, hatten die Reifen auch bei beherztem drüber rumpeln keinerlei Probleme.

Handling

Das Handling ist bei beiden Reifen sehr agil, vor allem wenn man bedenkt, dass sie im Tourensportsegment angesiedelt sind. Das, gepaart mit einem kurzen Radstand und entsprechendem Lenkkopfwinkel, macht schnelle Kurvenwechsel zu einem Kinderspiel! Klar, böse Zungen würden behaupten, das wäre „kippelig„… Aber wer hört schon auf böse Zungen?

Von meinem Gefühl her hat der Angel GT2 aber die Nase ganz knapp vorne. Er fährt sich von Anfang an sehr agil, und das ändert sich auch bis zum Schluss nicht dramatisch. Im Vergleich haben die Roadtec01 nahe der Verschleißgrenze etwas mehr an Handling eingebüßt.

Auch den Angelt GT2 bekommt man, ähnlich wie die Roadtecs, allerdings nur schwer auf Kante gefahren (in den Abmessungen 180/55 ZR17 / 120/70 ZR17 58W). Bei beiden Reifen fallen die Flanken recht steil ab. Zumindest bei der XSR900 RN43 schleifen deutlich vor der Kante die Rasten, auch mit gekürzten „Angstnippeln„. Daraus entsteht natürlich nur für die aller wenigsten ein Problem. Der Rest freut sich einfach, dass der Reifen auch in größeren Schräglagen nicht plötzlich „zu Ende“ ist.

Aufstellmoment

Kurz und knapp: bei beiden Reifen human und gut beherrschbar. Die Physik kann man nicht komplett umgehen und natürlich stellt sich das Motorrad etwas auf beim Bremsen in Kurven. Allerdings nichts, was einen auf allen Wolken fallen lassen würde, wenn man mit dem Effekt vertraut ist.

Eigendämpfung

Die Karkasse des Angelt GT2 kommt mir etwas steifer vor, auch das Feedback ist dadurch direkter. Allerdings auch hier wirklich nur im Nanobereich. Das Serienfahrwerk der XSR900 RN43 ist jetzt nicht das Beste, kommt damit aber noch wunderbar zurecht. Gefahren bin ich beide Reifen jeweils mit 2,8 Bar hinten und 2,4 Bar vorne (im kalten Zustand gemessen).

Verschleiß / Laufleistung

Eine Eigenschaft, die mich bei dem Roadtec01 + SE immer etwas gestört hat: er baut sehr zum Ende hin recht flott ab. Der Verschleiß ist also ab einem gewissen Punkt nicht mehr Linear sondern geht steil nach oben. Das alles spielt sich recht knapp vor der gesetzlichen Verschleißgrenze von 1,6 mm (in Deutschland) ab, aber dennoch. Muss man wissen, muss man mit einplanen. Die Angel GT2 sind da zahmer. Natürlich nimmt der Verschleiß auch hier zum Ende hin etwas zu, aber das ist vernachlässigbar. Man kann mit den Reifen recht gut kalkulieren, da der Verschleiß eben linearer ist als bei den Roadtec01 + SE. Nach den letzten Fahrten mit dem Angelt GT2 war ich immer erstaunt, dass er jetzt noch immer nicht komplett am Ende ist.

Und da kommen wir auch schon zu der Laufleistung. Durchschnittlich haben bei mir die Roadtec01+SE Hinterreifen ca. 8.000 km gehalten. Die Angel GT2, die ebenfalls nicht groß geschont wurden bzw. vielleicht sogar noch eine Spur härter ran genommen wurde (so wie das halt ist, wenn man neu ins Team kommt), haben hinten ca. 9.500 km gehalten. Gemessen jeweils bis wirklich nur noch 1,6mm Restprofil drauf war.

Bei den Vorderreifen, und jetzt wird es etwas paradox, dreht sich das Spiel. Wo ein Roadtec 01SE tatsächlich ca. 12.000 km gehalten hat, kommt der Angel GT2 auf knapp 10.200 km. Danach waren bei mir die Flanken auf Profilminimum.

Nichts hält ewig: Hinterreifen nach ca. 9.500 km / Vorderreifen nach ca. 10.200 km

Das heißt, wo der Hinterreifen bei den Angel GT2 ca. 18% länger hält, macht der Vorderreifen ca. 15% früher schlapp. Es gleicht sich also ziemlich aus. Manche werden da eventuell gar nicht lange rum machen, und immer direkt beide Reifen wechseln, selbst wenn der Vorderreifen vielleicht noch etwas Reserve gehabt hätte. Auch handlingtechnisch sicher nicht die schlechteste Idee, die man haben kann.

Preis

Auch beim Preis (Stand 23.07.2023) geht das Kopf-an-Kopf Rennen weiter. Wer also gehofft hat, seine Entscheidung daran fest machen zu können: Pustekuchen



Fazit

Beide Reifen liefern. Und das in allen Lebenslagen. Für die aller meisten Motorradfahrer, die auf öffentlichen Straßen unterwegs sind, reicht die Performance locker aus mit genug Reserven nach oben. Und die, denen sie nicht reicht, sollten sich fragen, ob ihnen die öffentlichen Straßen noch ausreichen.

Es ist also quasi in Fotofinish – was auch nicht allzu sehr verwundert, denn Metzeler und Pirelli gehören unternehmenstechnisch zusammen und beiden Reifen werden im gleichen Werk, Breuberg im Odenwald, hergestellt.

Wer also einen sportlichen Reifen mit einer guten Laufleistung möchte, ist bei beiden Reifen sehr gut aufgehoben. Gerade sportliche Tourenfahrer, deren Jahresfahrleistung die 10.000km übersteigt, sollten einen Blick auf die Beiden werfen. Denn wer will schon 4x im Jahr neue Supersport Reifen aufziehen lassen?

Ich persönlich habe auf meine XSR900 RN43 wieder die Angel GT2 aufziehen lassen. Gerade die Tatsache, dass der Verschleiß bei den GT2 besser zu kalkulieren ist, ist für mich ein großer Pluspunkt bei den Angel GT2. Davon abgesehen: Pirelli spricht sich einfach sehr sexy aus. Metzeler spielt da eher in der Liga „Sauerkraut„.

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8 Kommentare zu „Vergleich: Metzeler Roadtec01 SE vs. Pirelli Angel GT2

  1. Servus aus Mömlingen,
    ich hatte auch beide, nur umgekehrt, erste AGT2 jetzt Roadtec 01 se. Nachdem ich es satt hatte alle 3000-3500km den Sportreifen zu wecheseln. Der SE hat deutlich mehr Eigendämpfung und ist sofort griffig. Beide sind sehr gute Reifen und halten relativ lange. Auf meiner Duke 790 kein Eingreifen der Elektronik im trockenen.(im öffeltlichen Straßenverkehr). Der 01 SE Vorderreifen macht minimale Geräusche, das liegt wohl an der Profilgestaltung. Der AGT2 auf der Duke hat das Pendeln angefangen beim extremen Angasen….wenn man es weis, gehts ja.
    Mal schauen was nächstes Jahr kommt….
    Grüße, Gerald.

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  2. Ich hatte zuerst den Roadtec 01 SE drauf, danach durch Fehler vom Händler den Angel GT anstatt GT II. An sich vom Grip und Handling merke ich nicht wirklich einen Unterschied bei beiden, sie halten auch bei niedrigen Temperaturen extrem gut (Regen nicht ausprobiert) und können auch hohe Temperaturen ab. Allerdings: bei mir hat der Metzeler auf Bitumen gar keine gute Figur gemacht und ich hatte öfter Rutscher. Das war für mich dann der Grund zu wechseln.

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  3. Schöner Test (auch wenn schon etwas her), danke!

    Ich fahre den Angel schon seit dem ST, dann GT und jetzt GTII
    Früher auf ner Triumph Sprint ST jetzt KAWA 1000SX
    Hatte auch nie Probleme damit und wenn andere Kollegen über rutschen bei Regen geklagt haben, hab ich immer nur den Kopf geschüttelt und gegrinst. 🙂

    Nur komme ich irgendwie nicht auf diese Laufleistungen.
    Bei 5000km war Ende.
    Muss aber nochmal genau nachrechnen.

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    1. Moin! Danke! Ja, wenn man sich anstrengt bekommt man den wohl auch schneller klein. Würde mein Fahrprofil mit „sportlicher Tourenfahrer“ beschreiben, damit hält der Reifen dann entsprechend lange.

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  4. Guten Abend in die Runde. Ich verwende nur den GT.2 A der hat eine Wicklung mehr und ist einfach noch stabiler auffällig der Gass.gut ca 10 Euro teurer aber jeden Cent wert.

    4500 km dann ist Schluss mit Profil ohne Probleme mit der Spasstruppe zu kriegen .

    Gegenüber dem Michelin ist er bei heißem Wetter und bei schnellerer Gangart in jeder Situation sicherer. Rutscht wenn überhaupt nur in starker Schräglage (ab 52 grad) bei ruppigem Strassenbelag gaaaanz leicht ,was aber nicht erschreckt und sofort wieder sich einfängt .

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