Die Seuche der Straße – Teil #1

Wer mich kennt, der weiß: ich bin stolzer Besitzer eines sehr ausgeglichenen Gemütes. Besonders im Straßenverkehr falle ich durch meine besonnene und ruhige Art auf und auch generell bringe ich sehr viel Verständnis für andere Verkehrsteilnehmer mit. Man könnte sagen, ich bin ein ruhiger Fahrer. Aber selbst ich muss feststellen, es gibt Gattungen von Verkehrsteilnehmern, die mich immer wieder staunen lassen.

Rennradfahrer in freier Wildbahn

Eine dieser Gattungen sind die Rennradfahrer. Oder wie ich sie nenne: die Seuche der Straße. Natürlich mag es auch unter Rennradfahrern positive Beispiele geben, allerdings bin ich bis jetzt noch keinem begegnet. Alte Männer in zu engen Hosen auf zu schmalen Sätteln, dem Herzinfarkt näher als dem Leben, bei der letzten Midlife-Crisis leider falsch abgebogen (zum Rennrad statt zum 911er-Porsche). Und nun fahren sie da… keuchend, schwitzend, die komplette Spur blockierend, bergauf gerne in ausladenden Schlangenlinien und das mit einer Arroganz, über die ich mich regelmäßig wundere. Wie eine Ziege im Löwengehege, die die Nahrungskette mit einer Trotzigkeit ignoriert, die man selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Da fährt das Rudel! Wenigstes mit Helm. ©2021 Stefan Haehnel

Und wie es sich für unangenehme Zeitgenossen gehört, tauchen sie oft in der Herde auf. Und spätestens ab da wird es richtig unangenehm. Jeweils zu zweit oder zu dritt nebeneinander, in ihre zu engen Strampler gezwängt und fleißig die Tour de France imitierend. Platz machen für Verkehr, der von hinten kommt? Niemals! Immerhin handelt es sich um eine Profisportveranstaltung (zumindest in ihren Köpfen)! Für was sonst hat man sich die teuren original Trikots mit der Markenwerbung drauf gekauft?

Und natürlich sind Helme nur was für Anfänger. Welcher Helm könnte denn aerodynamischer sein, als die von der Sonne rot gebackene Halbglatze? Davon ab wäre das nur unnötiges Gewicht, denn selbst Amateure wissen: beim professionellen Rennradsport zählt jedes Gramm! Und so fahren sie da, mit ihren Magnesium und Carbon Drahteseln. Die eigene Sterblichkeit ignorierend. Und alle anderen Verkehrsteilnehmer dürfen höllisch aufpassen, nicht eine ganze Gruppe Zahnärzte und Anwälte über den Haufen zu fahren, weil sie sich im 20er Pulk mit 15 km/h den Berg hoch quälen.

Mario Cipollini – und der Beleg: Helme sind was für Anfänger!

Und weil alles was, oben ist, auch wieder runter muss, hat man dieses Klientel natürlich auch bergab. Der Schwerkraft sei Dank geht das dann deutlich fixer, allerdings nicht weniger nervtötend. Denn spätestens jetzt, mit dem Fahrtwind im schütteren Haar, tief geduckt und aerodynamisch wie ein Waschbär auf der Flucht, gibt es für das Rennradsportler-Ego kein Halten mehr. Jetzt braucht man sowieso die komplette Spur und wenn es geht auch noch die Hälfte der Gegenfahrbahn. Nie war man seinen großen Rennrad-Idolen näher als jetzt! Zwar nicht ganz so nah, wie man dem Gegenverkehr kommt, aber immerhin!

Wo Rennräder wirklich hingehören!

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