DIE NEUE YAMAHA XSR900 2022

Das Bessere ist der Feind des Guten“ – sagte, seiner Zeit damals schon weit voraus, einst Voltaire. Und scheinbar dachte sich das auch Yamaha und hat bei der neuen XSR900 überall ein Schippchen drauf gelegt. Mehr PS, mehr Hubraum, mehr elektronische Helfer. Ganz freiwillig geschah das natürlich nicht, die Euro 5 Norm hat sanften Druck mit der Brechstange ausgeübt und so wurde die XSR900, wie vorher schon die MT09, auf Euro 5 Niveau gehoben. Und wenn man schon dabei ist, warum nicht gleich noch ein paar andere Punkte mit anpacken?

Das ist sie. Die neue XSR900 2022

Optisch, wie immer, Geschmackssache. Mich persönlich stört die Sitzbank, der Scheinwerfer und die wuchtigen Schultern des neuen Rahmens. Allerdings nicht so sehr, als dass ich sie von der Bettkante schubsen würde. Irgendwie hat sie halt doch was. Und das, was stört, kann behandelt werden. Klar, die Geschwulst die man hier „Auspuff“ nennt ist auch noch da, aber das ist der Euro 5 Norm geschuldet. Und besser als ein riesiger Endtopf, der die Optik um jede Leichtigkeit beraubt, ist er allemal. Die Neue XSR900 wirkt auf mich wie eine Supersportler aus den 80ern, der die Verkleidung operativ entfernt wurde. Und eventuell war das auch der Ursprung des Gedankens hinter dem neuen „Faster Sons“ Modell.

Das hätte, vor allem mit dem neuen Rahmen, optisch deutlich schlechter ausgehen können

Auch am Cockpit hat man einiges geändert im Vergleich zur „alten“ XSR900. Retro ist nun komplett über Board geworfen worden und ein farbiges TFT Display ist an dessen Stelle gerückt. Praktischer und informativer ist das auf jeden Fall, aber es ist ein weiterer Schritt zum Einheitsbrei der Anzeigeinstrumente im Zweiradbau.

Könnte jetzt von jedem beliebigen Motorrad stammen – der Tacho

Aber genug über die Optik gemeckert! Kommen wir zu den Sonnenseiten der neuen XSR900. Und davon gibt es einige! Technische „nice to have“ Features wie Quickshifter und Tempomat sind jetzt mit an Board. Auch LED Scheinwerfer und LED Blinker sind Serie. Die Upside-Down-Gabel ist mittlerweile komplett Einstellbar und bei den Bremsen darf in Zukunft mit Brembo geankert werden. Was die elektronischen Helfer angeht, wurde mit einer schräglagensensitiven Traktionskontrolle, einem Slide-Control System und einer Wheelie-Control aufgerüstet. Alles über das Vollfarb-TFT Display einstellbar. Selbst wenn man es versuchen würde, an den technischen Neuerungen gibt es rein gar nichts zu meckern.

Durch den neuen Rahmen und die noch leichtere Räder konnte trotz der vielen neuen Features sogar noch Gewicht eingespart werden. Zwar nur 2kg, aber das sind schon wieder 2kg die sich der Fahrer auf die Rippen packen kann. Ob die zusätzlichen 4 PS und die aufgestockten 5,5 Nm Drehmoment es jetzt rausreißen darf bezweifelt werden, allerdings liegt das maximale Drehmoment jetzt bei 7.000 U/min an anstatt bei 8.500 U/min. Das sollte sich positiv bemerkbar machen. Und auch wenn es (zumindest optisch) so aussieht, als ob sie der neuen XSR900 einen größeren Tank spendiert hätten: nein, es bleibt bei den 14 Litern. Somit ist anzunehmen, dass es sich auch bei der neuen XSR900 wieder „nur“ um Tankblenden handelt. Bei den Abmessungen wurde auch überall etwas zugelegt. Zwar überall nur wenige Zentimeter (wenn überhaupt), aber immerhin erwähnenswert. Nur bei der Sitzhöhe wurde abgespeckt. Um sagenhafte 20mm. Für Leute mit etwas kürzeren Beinen vielleicht ein Punkt auf der „Pro“ Seite.

Optisch gibt es natürlich auch noch ein paar Punkte, bei denen ich neidlos anerkennen muss: das hätte auch der alten XSR900 gut gestanden. Lenkerendenspiegel und schöne Bremsflüssigkeitsbehälter ab Werk, dass ich das bei Yamaha noch erleben darf!


Fazit

Auch wenn es natürlich schmerzt, wenn jemand am Thron der eigenen Königin sägt: Yamaha hat da ein ordentliches Stück Technik rausgehauen. Optisch wird sie nicht jedem zusagen, ich persönlich muss aber zugeben: umso öfter ich mir die kleine Anschaue, umso besser gefällt sie mir. Und so eine Sitzbank ist ja auch Ruck-zuck gewechselt. Auf eine Testfahrt wird man als Otto-Normalo noch eine Weile warten müssen, ich bin aber jetzt schon gespannt!

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