Die ersten 500km nach dem bestandenen Führerschein

Es war der erste Sonntag im April diesen Jahres. 25 °C, das Wetter gut, die Straßen voll mit Motorrädern und generell recht viel Ausflugsverkehr. Mitten im Odenwald, vor mir eine 4er-Gruppe. Der/die erste und der/die letzte in der Gruppe offensichtlich geübte Fahrer, die beiden in der Mitte weit weniger geübt. Ich würde mal auf Führerscheinneulinge tippen, denn was sich da abgespielt hat, war schon bemerkenswert.

Durch Kurven wurde quasi geschoben, danach, so gut es ging, rausbeschleunigt, dann lange vor der nächsten Kurve wieder runtergebremst, und wieder durch die Kurve geschoben. Das Schalten ging hakelig, einen passenden Gang zu finden hat recht viel der spärlich vorhandenen Kapazitäten eingenommen. Eine Linie war nicht zu erkennen, stellenweise hätten sich die beiden fast gegenseitig über den Haufen gefahren. Die Situation war so absurd, dass mir ein Überholvorgang der gewagt erschien. Das erste Motorrad in der Gruppe hatte Mühe, dass die beiden nicht abreißen, das letzte Motorrad in der Gruppe hat derweil aus Langeweile Kunststückchen wie Slalom in der Kurve etc. gemacht. Das ganze Drama, wie schon geschrieben, an einem der ersten Sonntage im Jahr mit Temperaturen über 20 °C, mitten im Motorrad Hotspot Odenwald. Ich hinter dem 4er gespannt, hinter uns eine Schlange genervter Autofahrer*innen.

Und da hab ich mich gefragt: wie war das eigentlich damals bei mir? Ich meine, wir haben alle mal angefangen und sind wahrscheinlich genau so, wenn nicht schlimmer, wie die beiden rumgeeiert. Und da kam es mir: meine ersten 1.000 km habe ich unter der Woche abgerissen. Alleine und ohne Ausflugsverkehr der von allen Seiten auf mich einprasselte.

Dienstagvormittags praktische Führerscheinprüfung bestanden, danach durfte ich das Fahrschulmotorrad alleine zurück zur Fahrschule bringen (und wäre dabei um ein Haar geblitzt worden), und mittags ging es direkt mit dem eigenen Motorrad auf die lang ersehnte erste eigene Tour. Alleine, unter der Woche, bei mäßigem Aprilwetter (zumindest war es trocken). Die Straßen waren leer, meine erste Fahrt ging zu einem Louis „in der Nähe“ um einen Tankrucksack zu kaufen. Danach, mit ein paar größeren Umwegen, zurück nach Hause. Die ersten 300 km waren abgespult und das alles ohne Stress, Gruppenzwang oder den Trubel eines der ersten Motorradwochenenden der Saison. Bis zum ersten Wochenende waren die 1.000 km voll und ich behaupte mal, es ging danach schon wesentlich flüssiger als die ersten Kilometer, die ich selbstständig gefahren bin.

Warum ich das überhaupt erzähle? Ganz einfach: ich finde, daraus lässt sich ganz gut ableiten, wie man die ersten Kilometer auf dem eigenen Motorrad gestalten kann, ohne dass man sich direkt den Spaß am Motorradfahren nimmt. Versucht die erste Fahrt auf einen Werktag zu legen. Sucht euch eine ruhige Gegend aus, verzichtet erst mal auf das Fahren in einer Gruppe und gewöhnt euch an euer Motorrad und den Umstand, jetzt selbstständig und auf euch alleine gestellt unterwegs zu sein. Ganz ohne Druck, ganz entspannt.

*Alle Bilder mit https://designer.microsoft.com/image-creator generiert

Ein Kommentar zu „Die ersten 500km nach dem bestandenen Führerschein

  1. Netter Text. Erinnere mich noch an den Nothelferkurs in Zürich. Da wurde recht eindrücklich vermittelt, was passieren kann. Das hat die ersten Fahrstunden erstmal nachgewirkt.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Lump87 Antwort abbrechen