Motorradfahren im Winter oder in der kalten Übergangszeit stellt besondere Anforderungen an Mensch und Maschine. Und dazu braucht es nicht unbedingt Schnee. Kalter Asphalt in Kombination mit Motorradreifen bei niedrigen Temperaturen ist dabei ein entscheidender Sicherheitsfaktor, der häufig unterschätzt wird. Viele Stürze passieren nicht wegen Schnee oder Eis, sondern aufgrund mangelnden Grips auf kalter Fahrbahn.
In diesem Artikel erfährst du, warum kalter Asphalt so gefährlich ist, wie sich Kälte auf Motorradreifen auswirkt und was du tun kannst, um auch im Winter sicher unterwegs zu sein.

Warum kalter Asphalt weniger Grip bietet
Der Grip zwischen Motorradreifen und Fahrbahn entsteht zum einen durch die Verzahnung des Reifengummis mit der Asphaltoberfläche und zum anderen durch Adhäsionskräfte. Bei niedrigen Temperaturen verändern sich jedoch die Eigenschaften des Asphalts deutlich:
- Asphalt wird härter und glatter
- Feuchtigkeit, Raureif oder Taufilm sind oft kaum sichtbar
- Schattige Stellen, Brücken und Waldpassagen bleiben besonders kalt
- Markierungen, Bitumenstreifen und Gullideckel werden extrem rutschig
Gerade im Winter kann der Reibwert des Asphalts um mehr als 50 % sinken, selbst wenn die Straße trocken aussieht.
Motorradreifen im Winter: Temperatur entscheidet über Haftung

Motorradreifen sind auf einen bestimmten Temperaturbereich ausgelegt. Erst wenn sie ihre Betriebstemperatur erreichen, liefern sie den vorgesehenen Grip. Genau hier liegt im Winter das Problem:
- Gummimischungen werden hart und unelastisch
- Reifen bauen deutlich weniger Haftung auf
- Aufwärmzeiten verlängern sich stark
- Sportreifen erreichen ihre Arbeitstemperatur oft gar nicht
- Selbst bei kurzen Pausen kühlen die Reifen komplett aus
Ein kalter Motorradreifen auf kaltem Asphalt ist daher eine der kritischsten Kombinationen im Straßenverkehr.
Typische Gefahrensituationen bei kaltem Asphalt
Viele Unfälle im Winter passieren bei niedriger Geschwindigkeit und scheinbar harmlosen Fahrmanövern:
- Anfahren an Kreuzungen oder Ampeln
- Bremsen in leichter Schräglage
- Kreisverkehre mit glattem Asphalt
- Überfahren von Fahrbahnmarkierungen
- Kurven in schattigen Bereichen
Besonders tückisch: Der Haftungsverlust kommt oft ohne Vorwarnung.
Nicht jeder Motorradreifen ist für niedrige Temperaturen geeignet. Für Fahrten bei kaltem Wetter empfehlen sich:
- Tourenreifen
- Sport-Touring-Reifen
- Allround-Reifen mit breitem Temperaturfenster
Reine Sportreifen oder Rennstrecken-orientierte Modelle sind bei Kälte klar im Nachteil. Auch der Reifendruck sollte regelmäßig überprüft werden, da kalte Luft den Druck deutlich senkt.
Fazit: Kalter Asphalt erfordert Respekt und Aufmerksamkeit

Kalter Asphalt im Winter verändert die Haftungsgrenzen von Motorradreifen massiv. Auch trockene Straßen können gefährlich sein, wenn Temperatur, Reifenmischung und Fahrstil nicht zusammenpassen. Wer sich dieser physikalischen Grenzen bewusst ist, die passenden Reifen wählt und defensiv fährt, kann jedoch auch bei niedrigen Temperaturen sicher Motorrad fahren und Spaß haben.
Motorradfahren im Winter ist kein Routinebetrieb – sondern eine Frage von Wissen, Gefühl und Respekt vor dem Grip.
