Nachdem der Roadtec01 und der Roadtec01 SE schon ein sehr guter Tourensportreifen war, musste ich natürlich, nachdem der 2. Satz Pirelli Angel GT2 verschlissen war, den Roadtec02 ausprobieren.
Damit sich keine unnötige Spannung aufbaut: Der Roadtec02 hat das Potential, mein neuer Standard Reifen zu werden. Wer wissen will warum, liest weiter.

Besonderheiten
Der Metzeler Roadtec02 ist ein sogenannter Super-Sport-Touring-Reifen. Konkret bedeutet das: Der Reifen soll ein möglichst breites Spektrum an Fahrprofilen abdecken. Also vom gemütlichen Touren fahren bis hin zu einem sehr sportlich-ambitioniertem Fahrstil. Das soll unter anderem durch das spezielle Profildesign gelingen, in dem sich bei einem sehr sportlichen Fahrstil und somit hohen Reifentemperaturen, die schmalen Bereiche des Profils aneinander legen und somit mehr Stabilität Grip zur Verfügung steht. Dadurch soll, laut Metzeler, auch die Lenkpräzision gesteigert werden. Auch der Roadtec02 hat am Hinterreifen wieder einen Bi-Compound Aufbau. Dieser kombiniert Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten mit Kurvengrip und Sicherheit bei Nässe.

Fahrverhalten
Das wohl wichtigste bei einem Motorradreifen, das Handling. Der Roadtec02 wirkt auf den ersten paar Metern weniger agil als der Angel GT2, was einen aber nicht lange Trübsal blasen lässt. Denn was ihm vielleicht an Agilität fehlt, macht er mit Präzision wieder wett. Das Einlenken und vor allem das Kurs halten in den Kurven gelingt mit dem Reifen sehr gut. Durch den kurzen Radstand (1.440 mm) ist die XSR900 RN43 von Haus aus schon recht quirlig. Der Roadtec02 bringt in dem Fall dann eine gute Portion Präzision mit rein, was dem Gesamtkonstrukt sehr zugutekommt.
Das Aufstellmoment ist vergleichbar mit dem von den alten Roadtecs: natürlich hat man auch hier ein Aufstellmoment beim Bremsen, die Physik kann man da schwer austricksen, aber alles in einem Bereich, der sich sehr gut beherrschen lässt und einen nicht unangenehm überrascht.
Dieses Fahrverhalten macht den Reifen für mich zu einem potentiellen Kandidaten, für die nächsten Jahre mein Begleiter zu werden.


Grip
Beim Einfahren habe ich wirklich versucht, den Reifen leicht zum Rutschen zu bringen. Mit und ohne Traktionskontrolle. Aber bei 26 °C, warmen Reifen und gutem Asphalt muss man da schon sehr unvernünftig und ruckartig ans Gas gehen, damit sich da was tut. Der Grip war beim Roadtec01 SE schon nicht schlecht, aber hier habe ich den Eindruck, dass sie tatsächlich noch eine kleine Schippe draufgelegt haben. Man hat einfach ein sehr gutes Gefühl in größeren Schräglagen und das Rausbeschleunigen aus der Kurve macht direkt einen kleinen Ticken mehr Spaß als mit anderen Reifen.
Eigendämpfung
Auch hier harmoniert der Reifen wieder sehr gut mit dem eher Straffen Serienfahrwerk der XSR 900 RN43. Man bekommt von Reifen sehr gutes Feedback aber ohne dass jedes Schlagloch direkt 1:1 an das Fahrwerk weitergegeben wird. Sehr angenehm.
Verhalten bei Nässe
Bei zügiger aber angepasster Fahrweise leistet auch dieser Roadtec bei Regen Großes. Man muss nie ein schlechtes Gefühl oder die Sorge haben, dass einen der Reifen im Stich lässt. Ich persönlich fahre bei Regen immer etwas gemütlicher als bei trockenen Straßen, und da habe ich mich auch mit dem Roadtec02 sehr gut aufgehoben gefühlt.

Abrollgeräusch
Was beim Roadtec01 und Roadtec01 SE oft angemerkt wurde: das laute Abrollgeräusch des Vorderrades. Durch die Querrillen des Roadtec01/SE war dieses Geräusch durchaus vorhanden, was sich vor allem beim Rollen im Bereich von 40 km/h – 70 km/h bemerkbar gemacht hat. Alles darüber wurde von den anderen Fahrgeräusche wie Wind, Motor etc. überdeckt.


Durch das neue Profil des Roadtec02 Vorderreifens ist das Abrollgeräusch wieder neutral und hebt sich nicht mehr von anderen Reifen ab. Mich hat das beim alten Roadtec nie gestört, für manche aber vielleicht ein Auswahlkriterium.
Laufleistung
Da ich den Reifen erst knapp 1.000nkm drauf habe kann ich nur eine ungefähre Prognose abgeben: wo bei meinem Fahrstil (sportlicher Tourenfahrer) der Angel GT2 ca. 9.000+ km gehalten hat, wird der Roadtec02 nur mit mühe auf diese Laufleistung kommen. Der enorme Grip wird hier seinen Tribut zollen. Wenn er über 7.000 km schafft und am Ende nicht zu schnell abbaut, wäre für mich persönlich noch alles im grünen Bereich. Das kann ich aber natürlich erst sagen, wenn der Reifen dann auch wirklich am Ende ist. Der Beitrag wird dann entsprechend aktualisiert.
Nachtrag: das Endfazit zur Laufleistung findet ihr hier: Abschlussfazit: Metzeler Roadtec02


Fazit
Metzeler hat da ein ziemlich schickes Stück Gummi rausgehauen. Der enorme Grip und vor allem die Präzision beim Kurvenfahren sind die Stärken dieses Super-Sport-Touring-Reifens. Für mich persönlich wird es am Ende an er Laufleistung hängen. Bei 12.000 km – 15.000 km die ich pro Jahr mit der XSR900 fahre macht es schon einen Unterschied, ob ein Reifen 6.000 km oder 9.000 km hält bis er am Ende ist. Und schlecht waren der Roadtec01 SE oder der Pirelli Angel GT2 auf keinen Fall. Nur fährt sich der Roadtec02 eben diese kleine Schippchen besser.

Ein Kommentar zu „Erfahrungsbericht: Metzeler Roadtec02“